Kobanê, Syrien
Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 wurden rund 12 Millionen Menschen vertrieben. Viele leben bis heute in Armut und haben kaum Zugang zu medizinischer Grundversorgung. Über 75 % der Gesundheitseinrichtungen wurden gezielt zerstört, die Medikamentenproduktion brach um 40% ein. Ärzt*innen und Pflegekräfte wurden verfolgt oder getötet, viele flohen ins Ausland. Das verbliebene Personal arbeitet unter extremen Bedingungen.
Der türkische Militäreinmarsch Ende 2019 verschärfte die Lage erneut dramatisch:
Hunderttausende Menschen wurden innerhalb weniger Monate vertrieben, zahlreiche Kliniken mussten schließen. Chaotische Zustände, fehlendes Versorgungsmaterial und ungenügende Hygiene erhöhten das Risiko von Epidemien wie Masern, Durchfall oder Covid-19. Auch Naturkatastrophen und andauernde Angriffe trafen die Region schwer – etwa die Erdbeben im Februar 2023 oder die Zerstörung eines grossen medizinischen Container-Ambulatoriums in Kobanê durch Luftangriffe im Dezember desselben Jahres.
Im Dezember 2024 endete der Bürgerkrieg nach 13 Jahren mit dem Sturz der Regierung. Syrien befindet sich seither im Wiederaufbau. Millionen Vertriebene kehren zurück, Sanktionen wurden aufgehoben – doch Armut und Abhängigkeit von internationaler Hilfe prägen weiterhin den Alltag.
Unser Einsatzort
Ärzte für Ärzte unterstützt seit 2015 mit finanzieller und materieller Hilfe insbesondere die peripheren Regionen, die am stärksten unter Fachkräftemangel und zerstörter Infrastruktur leiden. Komplexe Operationen müssen oft in weit entfernte Zentren wie Damaskus oder Aleppo verlegt werden.
Unser Schwerpunkt liegt im nordsyrischen Kobanê und Umgebung – einer Region, die besonders stark von Krieg, Flucht und Zerstörung betroffen ist, zudem handelt es sich um eine Stadt an der Grenze zur Türkei. Mit unserer Arbeit tragen wir dazu bei, dass trotz widrigster Umstände eine minimale medizinische Versorgung gewährleistet bleibt.
Quellen zum politischen Hintergrund und den Zahlen:
Unsere Hilfe in Syrien:
Gehaltszahlungen
Mit monatlich rund 1.000 Euro finanziert Ärzte für Ärzte in Kobanê aktuell die Gehälter eines Praxisarztes, einer medizinischen Fachangestellten und eines Röntgentechnikers. Zudem übernehmen wir einen großen Teil des Jahresgehalts von Dr. Basrawi Ali, der gemeinsam mit seinem Praxisteam jährlich etwa 2.500 Patient*innen versorgt. Zusammen mit dem Verein Armut und Gesundheit in Deutschland finanzieren wir ihm ein volles Jahresgehalt.
Aufbau von Infrastruktur
Orthopädische Praxis: Mit Hilfe einer Crowdfunding-Aktion konnte die Praxis von Dr. Basrawi Ali nach dem Krieg erneut aufgebaut und neu ausgestattet werden – unter anderem mit Mobiliar, Sterilisationsgeräten, IT-Infrastruktur sowie einem digitalen Röntgengerät.
Medizinisches Ambulatorium: Nach der Zerstörung mehrerer Einrichtungen durch Luftangriffe im Dezember 2023 starteten wir 2024 gemeinsam mit Armut und Gesundheit den Wiederaufbau eines zweistöckigen Ambulatoriums. Es umfasst Behandlungsräume, eine Apotheke, ein Labor, einen Schutzraum sowie eine Photovoltaikanlage. Die feierliche Einweihung fand im Frühjahr 2025 statt.
Materiallieferungen
Regelmäßig liefern wir über Dr. Basrawi Ali medizinisches Material nach Nordsyrien, insbesondere orthopädische Operationsmaterialien.
Verschiedene Impressionen aus Kobanê in der Bildergallerie:
2019 Start Gehaltzahlung Dr. Basrawi Ali
2019 Crowdfunding: Operationsmaterial (Fixateur externe)
2021 Crowdfunding: Praxiswiederaufbau und Einrichtung (u.a. digitales Röntgengerät)
2022 Start Gehaltzahlungen des Praxispersonals in Kobanê
2023 Akuthilfe für Erdbebenopfer in Nordsyrien
2023 Luftangriffe auf medizinisches Ambulatorium / Diabeteszentrum
2024 Crowdfunding für Wiederaufbau medizinisches Ambulatorium
2025 Aufnahme Betrieb medizinisches Ambulatorium
Partner
Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“
Ärzte für Ärzte kooperiert mit dem von Prof. Gerhard Trabert gegründeten Verein Armut und Gesundheit zusammen. Der mehrfach ausgezeichnete Arzt engagiert sich seit 2001 in Krisen- und Entwicklungsländern, u. a. als Notarzt auf Schiffen der Sea-Watch. Bei seinen Aufenthalten in lokalen Spitälern erhielt er direkte Einblicke in die medizinische Notlage. Nach seiner ersten Reise nach Kobanê sagte er: „Ich befinde mich in einem Kriegsgebiet und die Menschen strahlen etwas zutiefst Friedvolles aus. Und ich, der aus einem reichen, sicheren Land kommt, werde hier sofort herzlich aufgenommen.“